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Lexikon

Lohnvorauszahlung: Definition, Ablauf & Abrechnung

Hady ElHadyVeröffentlicht 10 Min. Lesezeit
Lohnabrechnung und Vorauszahlung: Lohnvorauszahlung im HR-Kontext (Ordio Insights Lexikon)

Häufige Fragen zu Lohnvorauszahlung

Was ist eine Lohnvorauszahlung?

Eine Lohnvorauszahlung ist die vorzeitige Auszahlung von Lohn oder Gehalt durch deinen Arbeitgeber – auf bereits erarbeitetes oder sicher anfallendes Entgelt vor dem regulären Zahltag. Du bekommst Geld früher, nicht mehr: Der Betrag wird in der Regel mit der nächsten Gehaltsabrechnung verrechnet. Umgangssprachlich heißt derselbe Vorgang oft Gehaltsvorschuss oder Lohnvorschuss.

Was ist der Unterschied zwischen Lohnvorauszahlung und Gehaltsvorschuss?

Meist kein inhaltlicher Unterschied: Beide meinen eine Vorauszahlung auf fälliges Entgelt vor dem Stichtag. Lohnvorauszahlung ist der häufige Begriff in HR-Richtlinien und Lohnsoftware; Gehaltsvorschuss die umgangssprachliche Variante. Earned-Wage-Access-Apps von Drittanbietern sind dagegen ein eigenes Produkt – nicht dieselbe betriebliche Lohnabrechnung.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf eine Lohnvorauszahlung?

Nein – in der Privatwirtschaft hast du keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf eine Lohnvorauszahlung. Nach § 614 BGB ist die Vergütung grundsätzlich mit der Leistung fällig. Ausnahmen können Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, dein Arbeitsvertrag oder eine einmalige Kulanz des Arbeitgebers sein. Frag deshalb nach der internen Vorschussrichtlinie, statt dich auf einen pauschalen Anspruch zu verlassen.

Wie beantrage ich eine Lohnvorauszahlung beim Arbeitgeber?

Stell einen schriftlichen Antrag bei HR oder Payroll: gewünschter Betrag, kurzer Grund, Auszahlungstermin und die Bestätigung, dass du die Verrechnung mit der nächsten Abrechnung kennst. Viele Unternehmen haben Formulare im Intranet oder Self-Service – eine mündliche Bitte beim Vorgesetzten ersetzt die Freigabe in der Entgeltabrechnung nicht. Rechne vorher grob durch, wie viel Netto nach dem Abzug übrig bleibt.

Wie wird eine Lohnvorauszahlung in der Lohnabrechnung verrechnet?

HR zahlt den Betrag vor dem Stichtag aus und bucht ihn bei der nächsten regulären Abrechnung gegen dein Nettoentgelt oder als eigene Position auf dem Lohnzettel. In der Payroll läuft das über eine Lohnart wie „Vorauszahlung“ oder „Gehaltsvorschuss“, damit Auszahlung und Gegenbuchung für dich und das Finanzamt nachvollziehbar bleiben. Wenn Pfändungen oder andere Abzüge laufen, sinkt das verfügbare Netto zusätzlich.

Werden auf eine Lohnvorauszahlung Lohnsteuer und Sozialversicherung abgeführt?

Ja. Eine Lohnvorauszahlung ist kein steuerfreies Extra, sondern laufendes Arbeitsentgelt. Dein Arbeitgeber führt Lohnsteuer und Sozialversicherung wie beim regulären Gehalt ab (Zuflussprinzip). Liegen Vorauszahlung und Hauptabrechnung im selben Monat, kann die Einbehaltung auf der Gesamtabrechnung gebündelt werden (vgl. R 39b.5 Abs. 4 LStR). Auf deinem Lohnzettel solltest du Auszahlung und Verrechnung getrennt erkennen.

Wie hoch darf eine Lohnvorauszahlung sein?

In der Praxis orientierst du dich an dem, was du bis zum Stichtag realistisch erarbeitet hast – oft nach Arbeitstagen oder gebuchten Stunden in der Zeiterfassung. Summen deutlich über einem Monatsnetto sollten als Arbeitgeberdarlehen mit Tilgungsplan laufen, nicht als stillschweigender Vorschuss. Dein Arbeitgeber legt in der Vorschussrichtlinie Obergrenzen, Häufigkeit und Zuständigkeiten fest; halte dich daran, um Ablehnungen zu vermeiden.

Was passiert mit einer Lohnvorauszahlung bei Kündigung?

Offene Vorauszahlungen dürfen mit deiner letzten Entgeltzahlung verrechnet werden, ohne dass der Auszahlungsbetrag unter die Pfändungsfreigrenze fallen muss. Bleibt ein Rest offen, kann er als Forderung des Arbeitgebers bestehen bleiben – deshalb sollte die Vorschussvereinbarung Kündigung, Restschuld und Verrechnungsreihenfolge regeln. In der Schlussabrechnung musst du Auszahlung und Abzug klar erkennen können.

Ist Lohnvorauszahlung dasselbe wie Lohnfortzahlung?

Nein. Lohnfortzahlung (z. B. bei Krankheit nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz) ist gesetzlich geregelte Fortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit – du erhältst Entgelt, obwohl du nicht arbeitest. Eine Lohnvorauszahlung ist eine freiwillige Vorauszahlung auf Wunsch vor dem normalen Zahltag, während du arbeitest. Andere Rechtsgrundlage, anderer Antrag und andere Buchung in HR.

Was ist der Unterschied zwischen Lohnvorauszahlung und Arbeitgeberdarlehen?

Die Lohnvorauszahlung deckt erarbeitetes oder sicher anfallendes Entgelt im laufenden Abrechnungszeitraum und wird mit der nächsten Abrechnung verrechnet. Ein Arbeitgeberdarlehen liegt vor, wenn der Betrag darüber hinausgeht oder du ihn über mehrere Monate tilgst – dann brauchst du schriftliche Konditionen, ggf. Zinsen und eine saubere Versteuerung geldwerter Vorteile. HR sollte interne Schwellen definieren, ab wann nur noch ein Darlehen möglich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Lohnvorauszahlung und Vorkasse?

Lohnvorauszahlung betrifft dein Arbeitsentgelt und läuft über Antrag, Freigabe und Lohnabrechnung. Vorkasse ist eine Zahlungsbedingung im Einkauf oder B2B – Kunde zahlt vor Lieferung, andere Verträge, Konten und Freigaben. Payroll-Prozesse und Lieferanten-Vorkasse haben nichts miteinander zu tun.

Was müssen Arbeitgeber bei einer Lohnvorauszahlung beachten?

Als Arbeitgeber brauchst du eine schriftliche Vorschussrichtlinie (Höhe, Häufigkeit, Zuständigkeit), einen schriftlichen Antrag mit Verrechnungszustimmung und eine eigene Lohnart in der Payroll. Prüfe vor Auszahlung Pfändungen, erarbeiteten Anteil (z. B. über Zeiterfassung) und ob der Betrag noch eine Vorauszahlung oder schon ein Arbeitgeberdarlehen ist. Antrag und Freigabe gehören in die digitale Personalakte; die Verrechnung muss auf der nächsten Gehaltsabrechnung nachvollziehbar sein.