22,7 Prozent der Unternehmen in Deutschland berichten im Februar 2026 von fehlendem qualifiziertem Personal – der niedrigste Wert seit fünf Jahren (ifo Institut). Trotz des Rückgangs bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale HR-Herausforderung: Laut DIHK können 48 Prozent der Betriebe offene Stellen nicht besetzen. Besonders betroffen sind Gastronomie, Pflege, Handwerk und IT. In diesem Lexikon-Eintrag erfährst du, was Fachkräftemangel genau bedeutet, welche Ursachen und Maßnahmen es gibt und wie du mit Employer Branding und Mitarbeiterbindung reagieren kannst.

Du lernst die Abgrenzung zu Personalmangel kennen, aktuelle Statistiken und betroffene Branchen sowie konkrete Maßnahmen – von flexiblen Arbeitszeitmodellen über Zeiterfassung und Dienstplanung bis zur Unternehmenskultur. Mit Ordio unterstützt du faire Arbeitsbedingungen, die Fachkräfte halten und anziehen.

Was ist Fachkräftemangel? Definition

Fachkräftemangel liegt vor, wenn die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften über einen längeren Zeitraum das Angebot auf dem Arbeitsmarkt übersteigt. Mit anderen Worten: Es gibt mehr offene Stellen für Fachkräfte, als passend qualifizierte Bewerber verfügbar sind. Die Definition grenzt sich vom Qualifikationsmismatch ab: Beim Mismatch sind Arbeitskräfte da, aber ihre Qualifikation passt nicht zu den Anforderungen – beim Fachkräftemangel fehlt das Angebot an qualifizierten Kräften insgesamt.

Fachkräfte sind laut Definition alle erwerbsfähigen Menschen mit abgeschlossener mindestens zweijähriger Berufsausbildung oder anerkanntem akademischem Studium. Der Fachkräftemangel kann flächendeckend oder branchen- und regionsspezifisch auftreten. Oft spricht man auch von Fachkräfteengpässen, wenn der Mangel zeitlich begrenzt oder auf bestimmte Berufe beschränkt ist.

Eine wichtige Kennzahl zur Messung ist die Vakanzzeit: der Zeitraum zwischen Ausschreibung einer Stelle und deren Besetzung. In Deutschland stieg die durchschnittliche Vakanzzeit von rund 63 Tagen (2007) auf über 130 Tage (2019) – längere Besetzungszeiten signalisieren Engpässe. Das Institut der Deutschen Wirtschaft zählte 2020 rund 195 Engpassberufe von über 1.200 Berufsgattungen – ein klares Indiz für den Fachkräftemangel in immer mehr Branchen.

Fachkräftemangel vs. Personalmangel

Die Begriffe Fachkräftemangel und Personalmangel werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber in der Bedeutung. Fachkräftemangel bezieht sich auf den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften – also Menschen mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium. Personalmangel bezeichnet einen allgemeinen Mangel an Arbeitskräften, unabhängig von der Qualifikation.

In der Praxis überlappen beide: Wenn Fachkräfte fehlen, fehlt oft auch Personal insgesamt. Entscheidend für HR ist die Unterscheidung bei den Maßnahmen: Gegen Fachkräftemangel helfen Qualifizierung, Employer Branding und gezieltes Recruiting; gegen allgemeinen Personalmangel können auch niedrigqualifizierte Kräfte oder Zuwanderung eine Rolle spielen.

Ursachen des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken:

Demografischer Wandel

Die Baby-Boomer-Generation geht in Rente, während weniger junge Menschen nachrücken. Bis 2035 könnten in Deutschland rund 7 Millionen Fachkräfte weniger zur Verfügung stehen. Besonders kritisch: In der Pflege steigt der Bedarf mit der alternden Gesellschaft, während gleichzeitig weniger Nachwuchs ausgebildet wird – ein Teufelskreis.

Bildung und Ausbildung

2023 blieben über 73.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Immer mehr Schulabsolventen streben ein Studium an; duale Ausbildungen in Handwerk und Pflege haben ein Imageproblem. Das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung gerät unter Druck – viele Branchen finden zu wenig Nachwuchs.

Zuwanderung

Ohne Zuwanderung würde das Arbeitskräfteangebot in Deutschland deutlich stärker schrumpfen. Das IW skizziert in Prognosen: Bei geringer Zuwanderung könnten 2040 bereits rund 4,2 Millionen Fachkräfte fehlen; bei hoher Zuwanderung und späterem Renteneintritt bleibt die Zahl der aktiven Fachkräfte ähnlich hoch wie heute. Die rechtlichen Rahmenbedingungen – Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis – und die Integration qualifizierter Zuwanderer beeinflussen, wie gut der Fachkräftemangel abgefedert werden kann.

Technologischer Wandel

Digitalisierung und KI verändern Berufsbilder. Neue Anforderungen entstehen, während bestehende Qualifikationen an Wert verlieren können. Unternehmen brauchen Fachkräfte mit aktuellem Wissen – die Umstellung von Ausbildung und Weiterbildung hinkt oft hinterher.

Personalentwicklung und Generation X sowie die jüngeren Generationen spielen eine zentrale Rolle: Wer in Qualifizierung investiert, mildert den Fachkräftemangel ab.

Fachkräftemangel in Deutschland – Statistiken und Branchen

Laut ifo Institut berichten im Februar 2026 nur noch 22,7 Prozent der Unternehmen von Fachkräftemangel – der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Besonders stark betroffen sind Rechts- und Steuerberater (58,4 Prozent), Leiharbeitsfirmen (56,6 Prozent) und die Bauwirtschaft (30,4 Prozent). In der Industrie liegt der Anteil bei 16,6 Prozent. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bezifferte im Dezember 2025 rund 418.588 unbesetzte Fachkräftestellen.

Der DIHK berichtet, dass 48 Prozent der Unternehmen Stellen nicht besetzen können. Wirtschaftsforscher haben berechnet, dass Deutschland jährlich bis zu 50 Milliarden Euro an Wirtschaftskraft verliert, weil Stellen unbesetzt bleiben. Regional zeigen sich Engpässe besonders in wirtschaftsstarken Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in einigen ostdeutschen Bundesländern. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) bietet Bundesländersteckbriefe zur regionalen Fachkräftesituation – Arbeitgeber können dort auf einen Blick erkennen, wo sie für Bewerber besonders attraktiv sein müssen.

BrancheAnteil betroffener UnternehmenTypische Maßnahmen
Rechts-/Steuerberatung58,4 %Flexible Arbeitszeiten, Employer Branding
Leiharbeit56,6 %Vergütung, Benefits
Bau30,4 %Ausbildung, Zuwanderung
Transport/Logistik30,6 %Vergütung, Arbeitsbedingungen
Industrie16,6 %Weiterbildung, MINT-Förderung
Gesundheitswesen46.000+ unbesetzte Stellen (2024)Attraktivität, Ausbildung, Gehalt

Betroffene Branchen im Detail

Der Fachkräftemangel trifft nicht alle Branchen gleich. Besonders betroffen sind:

Pflege

Im Gesundheitswesen blieben 2024 über 46.000 Stellen rechnerisch unbesetzt – mehr als in jeder anderen Branche. Der demografische Wandel verschärft den Bedarf: Mehr ältere Menschen brauchen Pflege, während gleichzeitig weniger Nachwuchs ausgebildet wird. Ein Teufelskreis: Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt mit der Alterung der Gesellschaft, gleichzeitig fehlt es an Auszubildenden. Die Arbeitsbedingungen – Schichtarbeit, Belastung, Vergütung – und die Attraktivität des Berufs sind zentrale Hebel. Unternehmen und Politik müssen gemeinsam an der Imageverbesserung und an besseren Rahmenbedingungen arbeiten.

Gastronomie

Die Gastronomie leidet unter starkem Fachkräftemangel – besonders in der Küche und im Service. Schichtarbeit, vergleichsweise niedrige Löhne und hohe Belastung schrecken ab. Flexible Arbeitsmodelle, faire Dienstpläne und eine starke Unternehmenskultur können helfen. Mehr dazu im Ratgeber Wie gewinne ich neue Mitarbeiter in der Gastronomie?

Handwerk

Im Handwerk fehlen Elektriker, Klempner, Schreiner und viele andere. Die duale Ausbildung hat ein Imageproblem; viele junge Menschen wählen das Studium. Attraktivere Ausbildungsbedingungen und bessere Karriereperspektiven sind gefragt.

IT und MINT

Die IT-Branche und MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) konkurrieren global um Talente. Deutsche Unternehmen stehen im Wettbewerb mit internationalen Arbeitgebern – flexibles Arbeiten, Remote-Optionen und gute Vergütung sind entscheidend.

Die Digitalisierung in der Gastronomie zeigt, wie Technologie und Fachkräftesicherung zusammenhängen: Moderne Tools können Arbeitsabläufe erleichtern und die Attraktivität erhöhen.

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

Unternehmen können dem Fachkräftemangel mit einem Bündel von Maßnahmen begegnen:

  • Employer Branding stärken: Als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden – nach außen für Recruiting, nach innen für Mitarbeiterbindung.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Gleitzeit, Remote Work, Homeoffice – flexible Modelle signalisieren Wertschätzung und ziehen Talente an.
  • Zeiterfassung und Dienstplanung: Transparente Arbeitszeiten und faire Schichtpläne schaffen Vertrauen. Mit Ordio gelingt die Abstimmung zwischen betrieblichen Anforderungen und Mitarbeiterbedürfnissen – für Zeiterfassung und Dienstplanung.
  • Weiterbildung: Bestehende Mitarbeitende qualifizieren statt nur extern zu rekrutieren.
  • Unternehmenskultur: Offene Kommunikation, Wertschätzung und gute Führung – Unternehmenskultur beeinflusst, ob Fachkräfte bleiben.
  • Work-Life-Balance: Work-Life-Balance und New Work – moderne Arbeitsmodelle erhöhen die Attraktivität.

Zusätzlich können Unternehmen Zuwanderung fördern – Fachkräfte gezielt im Ausland anwerben, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen. Teilzeitkräfte zur Aufstockung motivieren: Über 4,6 Millionen Menschen arbeiteten 2019 in Teilzeit, davon fast 4 Millionen Frauen – ein großes Potenzial. Ältere Mitarbeitende länger binden: Frühverrentung hat zu erheblichem Fachkräfteverlust geführt; altersgerechte Arbeitsgestaltung und betriebliches Gesundheitsmanagement können helfen. Menschen mit Behinderung einbinden: Fast 180.000 Menschen mit Schwerbehinderung würden laut Arbeitsagentur gerne arbeiten und sind oft überdurchschnittlich qualifiziert. Schlüssel ist: Kein einzelner Hebel reicht – Maßnahmen müssen zusammenwirken.

Employer Branding und Fachkräftemangel

Employer Branding spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit Fachkräftemangel. Die Arbeitgebermarke bestimmt, ob qualifizierte Bewerber ein Unternehmen als attraktiv wahrnehmen – und ob bestehende Mitarbeitende stolz auf ihren Arbeitgeber sind. Employer Branding wirkt nach außen (erfolgreiches Recruiting) und nach innen (Mitarbeiterbindung).

Im War for Talents können Unternehmen mit klarer Positionierung punkten: Was macht uns als Arbeitgeber besonders? Welche Werte bieten wir? Transparente Kommunikation, faire Bewerbungsprozesse und eine positive Unternehmenskultur stärken die Marke. Standardabsagen und wochenlanges Schweigen im Bewerbungsprozess disqualifizieren Unternehmen – aktives Recruiting und respektvoller Umgang mit Kandidaten sind selbstverständlich. Mehr als 50 Prozent der deutschen Unternehmen sehen im Fachkräftemangel die größte Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung. Employer Branding ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Ordio unterstützt mit digitaler Zeiterfassung und Dienstplanung die Basis für faire Arbeitsbedingungen – ein wichtiger Faktor für die Arbeitgeberattraktivität.

Mitarbeiterbindung und Retention

Nicht nur neue Fachkräfte gewinnen, sondern bestehende halten: Mitarbeiterbindung ist die zweite Säule im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Wer Talente verliert, muss sie oft teuer ersetzen – Fluktuation kostet bis zum Dreifachen des Jahresgehalts pro Stelle.

Flexible Arbeitszeitmodelle, Work-Life-Balance und New Work stärken die Bindung. Remote Work und Homeoffice gehören für viele Fachkräfte zur Grundattraktivität. Hybride Arbeitsmodelle – eine Mischung aus Präsenz und Remote – sorgen für Produktivität und Motivation. Das Arbeitszeiterfassungsgesetz verlangt seit 2024 die Erfassung von Arbeitszeiten; das schafft Transparenz und schützt vor Überstunden ohne Ausgleich. Transparente Zeiterfassung und faire Dienstpläne schaffen die technische Basis – mit Ordio unterstützt du diese Voraussetzungen in Schichtbetrieben und flexiblen Modellen. Unklare Überstunden, kurzfristige Planänderungen und unfaire Verteilung von Wochenenden oder Feiertagen gehören zu den häufigsten Beschwerdepunkten – hier lohnt sich Investition in gute Planung.

Rolle von HR und Personalmanagement

HR und Personalmanagement sind strategische Partner bei der Fachkräftesicherung. Sie planen den Personalbedarf, steuern Recruiting und Onboarding, fördern Onboarding und Weiterbildung, und messen Fluktuation sowie Mitarbeiterzufriedenheit.

Die Zusammenarbeit mit der Führungsebene ist entscheidend: Fachkräftemangel ist kein rein HR-Thema, sondern eine Unternehmensaufgabe. Personaler analysieren Engpässe, entwickeln Maßnahmen und setzen Employer Branding sowie Mitarbeiterbindung um. Sie koordinieren Recruiting und Onboarding, steuern Weiterbildungsprogramme und messen Kennzahlen wie Fluktuationsrate, Vakanzzeit und Mitarbeiterzufriedenheit. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Fachkräftesicherung – Finden, Binden und Qualifizieren. Mehr zu aktuellen Entwicklungen findest du im HR-Trends Ratgeber.

Fazit

Fachkräftemangel bedeutet, dass die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften das Angebot langfristig übersteigt. Ursachen sind demografischer Wandel, Bildung, Zuwanderung und technologischer Wandel. Trotz Rückgang in 2026 – 22,7 Prozent der Unternehmen berichten von Engpässen – bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale HR-Herausforderung.

Maßnahmen wie Employer Branding, Mitarbeiterbindung, flexible Arbeitszeitmodelle und faire Arbeitsbedingungen wirken. Unternehmen ohne ATS oder Recruiting-Tool können mit Retention und Attraktivität punkten: Transparente Zeiterfassung und planbare Dienstpläne schaffen die Basis. Mit Ordio unterstützt du flexible Arbeitszeitmodelle, Zeiterfassung und Dienstplanung – die Voraussetzungen für höhere Mitarbeiterbindung und bessere Arbeitgeberattraktivität im Fachkräftemangel.