Arbeitszeitbetrug liegt vor, wenn Beschäftigte vorsätzlich falsche Angaben über ihre geleisteten Arbeitszeiten machen oder Zeiterfassungssysteme manipulieren, um finanzielle Vorteile zu erlangen. Typische Formen sind Falschangaben bei der Zeiterfassung, verlängerte Pausen ohne Dokumentation, private Tätigkeiten während der Arbeitszeit oder Krankfeiern. Arbeitszeitbetrug ist kein Kavaliersdelikt – er stellt einen schweren Vertrauensbruch dar und kann arbeitsrechtliche sowie strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

In diesem Lexikon-Artikel erfährst du, welche Formen von Arbeitszeitbetrug es gibt, wie Arbeitgeber ihn nachweisen können, welche Konsequenzen drohen (Abmahnung, Kündigung, Strafrecht) und wie du mit klarer Zeiterfassung und Prävention vorbeugst. Mit Ordio erfasst du Arbeitszeiten digital und transparent – so reduzierst du das Risiko von Manipulation und schaffst Vertrauen.

Was ist Arbeitszeitbetrug?

Arbeitszeitbetrug bedeutet: Du gibst bewusst mehr Arbeitszeit an, als du tatsächlich geleistet hast – oder du nutzt bezahlte Arbeitszeit für private Zwecke, ohne dies zu melden. Entscheidend ist die vorsätzliche Täuschung. Ein versehentliches Vergessen, die Pause zu stempeln, ist noch kein Betrug – solange du es korrigierst. Sobald du jedoch systematisch falsche Zeiten einträgst, um Überstunden zu erschleichen oder Privatzeit abzurechnen, liegt Arbeitszeitbetrug vor.

Die Abgrenzung zu bloßen Arbeitszeitverstößen: Wenn du unverschuldet im Stau stehst und zu spät kommst, dann aktiv meldest und die Zeit nacharbeitest, handelt es sich um einen Verstoß – nicht um Betrug. Auch das kurze Gespräch an der Kaffeemaschine oder der Smalltalk zu Beginn eines Videocalls gelten in der Regel nicht als Arbeitszeitbetrug, da soziales Miteinander zum Arbeitsalltag gehört. Problematisch wird es, wenn du bewusst Pausenzeiten nicht stempelst, Arbeitszeiten manipulierst oder regelmäßig private Aktivitäten während der Kernarbeitszeit ausübst, ohne dies zu dokumentieren.

Formen von Arbeitszeitbetrug

Arbeitszeitbetrug kann in verschiedenen Formen auftreten. Die häufigsten sind:

FormBeschreibungSchweregrad
Falschangaben bei ZeiterfassungStunden eintragen, die nicht gearbeitet wurden; Manipulation von Stempelkarten oder AppsHoch
Missbrauch von PausenPausen verlängern, nicht ausstempeln, Pausen als Arbeitszeit abrechnenMittel bis hoch
PrivattätigkeitenRegelmäßig private Telefonate, Internetnutzung, Handy während Kernarbeitszeit ohne MeldungMittel
RaucherpausenMehrfach rauchen gehen, Pausenzeiten bewusst nicht erfassen – kann Betrug seinMittel
KrankfeiernArbeitsunfähigkeit vortäuschen, obwohl arbeitsfähigHoch
Falsche FahrtzeitenIm Außendienst nicht gefahrene Zeiten abrechnenHoch

Ob Rauchen oder „am Handy sein“ Arbeitszeitbetrug ist, hängt vom Einzelfall ab. Gehst du in der vorgesehenen Pausenzeit rauchen und stempelst korrekt, ist das kein Betrug. Stempelst du Raucherpausen bewusst nicht aus und rechnest sie als Arbeitszeit ab, liegt vorsätzlicher Betrug vor. Ähnlich bei privater Handynutzung: Gelegentliche kurze Nachrichten sind oft toleriert; stundenlange private Nutzung während der Arbeitszeit ohne Meldung kann Arbeitszeitbetrug darstellen.

Mit einer transparenten Zeiterfassung wie Ordio dokumentierst du Arbeitszeiten und Pausen nachvollziehbar – so lassen sich Unstimmigkeiten schneller erkennen und klären.

Arbeitszeitbetrug nachweisen

Wer muss Arbeitszeitbetrug nachweisen? Die Beweislast liegt beim Arbeitgeber: Er muss den Arbeitszeitbetrug zweifelsfrei nachweisen, wenn er abmahnen oder kündigen will. Wie kann der Arbeitgeber Arbeitszeitbetrug nachweisen? Das ist in der Praxis oft schwierig. Hilfreich sind:

  • Elektronische Zeiterfassung: Moderne Zeiterfassungssysteme protokollieren Ein- und Ausstempelzeiten und erschweren Manipulationen.
  • Zeugenberichte: Aussagen von Kollegen können bei der Aufklärung helfen.
  • Dokumentation von Abweichungen: Auffällige Muster (z.B. immer gleiche „Vergessen“-Einträge) sollten dokumentiert werden.
  • Anhörung des Mitarbeiters: Der Betroffene muss sich zu den Vorwürfen äußern können – das ist auch rechtlich vorgeschrieben.

In einem bekannten Fall vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG 2 AZR 681/16) hatte eine Angestellte sich mehrfach per Software vom Parkplatz abgemeldet, obwohl sie dort nicht arbeitete – und sich so Arbeitszeit erschlichen. Die fristlose Kündigung wurde bestätigt. Entscheidend war der eindeutige Nachweis der vorsätzlichen Manipulation.

Abmahnung als erster Schritt

Bei eher geringfügigen Verstößen ist eine Abmahnung der übliche erste Schritt. Sie dient dazu, das Fehlverhalten konkret zu benennen, die Unterlassung zu fordern und dem Mitarbeiter eine Chance zur Besserung zu geben. Eine Abmahnung sollte enthalten:

  • Beschreibung des nachgewiesenen Fehlverhaltens
  • Zeitpunkt und Dauer der Täuschung
  • Hinweis auf die möglichen Konsequenzen bei Wiederholung (z.B. Kündigung)

Ohne eine vorherige Abmahnung ist eine ordentliche Kündigung bei vergleichbaren Verstößen oft angreifbar. Bei schwerem, einmaligem Arbeitszeitbetrug kann jedoch eine fristlose Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung gerechtfertigt sein.

Kündigung bei Arbeitszeitbetrug

Ist Arbeitszeitbetrug ein Kündigungsgrund? Ja – und in schweren Fällen sogar ein sofortiger (fristloser) Kündigungsgrund. Arbeitszeitbetrug kann eine ordentliche oder fristlose Kündigung rechtfertigen. Für eine ordentliche (verhaltensbedingte) Kündigung muss der Betrug erhebliche Ausmaße haben, zweifelsfrei nachweisbar sein und einen wirtschaftlichen Schaden verursachen, der über Bagatellcharakter hinausgeht. Oft geht eine Abmahnung voraus.

Bei besonders schweren Fällen ist eine fristlose (außerordentliche) Kündigung möglich. Das BAG hat entschieden, dass selbst ein einmaliger Arbeitszeitbetrug eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann, wenn das Vertrauensverhältnis schwerwiegend beschädigt ist (BAG 2 AZR 681/16, 2 AZR 370/18). Voraussetzung ist ein „wichtiger Grund“ gemäß § 626 BGB – was steht im Paragraph 626 BGB? Der Paragraph regelt die außerordentliche Kündigung und verlangt einen wichtigen Grund, der die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht. Wichtig: Sobald der Arbeitgeber Kenntnis vom Betrug hat, bleiben ihm nur zwei Wochen, um die fristlose Kündigung auszusprechen. Versäumt er diese Frist, kann er nur noch ordentlich kündigen.

Rechtliche Grundlagen – Strafrecht

Ist Arbeitszeitbetrug illegal? Ja. Wer vorsätzlich Arbeitszeiten manipuliert und sich dadurch Lohn erschleicht, kann den Straftatbestand des Betrugs (§ 263 StGB) erfüllen. Die Folgen reichen von Geldstrafe bis zu Freiheitsstrafe – je nach Schwere und Höhe des Schadens.

In der Praxis werden viele Fälle arbeitsrechtlich (Abmahnung, Kündigung) geahndet; strafrechtliche Verfolgung kommt vor allem bei größeren Beträgen oder systematischem Betrug in Betracht. Auch Schadensersatzforderungen des Arbeitgebers sind möglich – der erschlichene Lohn kann zurückgefordert werden.

Arbeitszeitbetrug im Home Office

Was ist Arbeitszeitbetrug im Home Office bzw. Homeoffice? Im Home Office ist die Kontrolle schwieriger – der Arbeitgeber kann nicht direkt sehen, ob du wirklich arbeitest. Ist Homeoffice Arbeitszeitbetrug? Nein, Home Office und Homeoffice an sich sind kein Betrug. Vielmehr nutzen manche Beschäftigte die fehlende Präsenzkontrolle aus: Sie lassen den Rechner laufen, täuschen Anwesenheit vor oder nutzen die Zeit für private Dinge, ohne dies zu melden. Das ist Arbeitszeitbetrug – unabhängig vom Arbeitsort.

Prävention gelingt durch klare Regeln, vertrauenswürdige Zeiterfassung (auch im Home Office) und eine offene Kommunikation. Mit Ordio erfassen Mitarbeiter ihre Zeiten digital – unabhängig vom Arbeitsort. So bleibt die Dokumentation transparent und nachvollziehbar.

Prävention von Arbeitszeitbetrug

Unternehmen können Arbeitszeitbetrug vorbeugen, indem sie:

  • Klare Richtlinien zur Zeiterfassung und zu Pausenzeiten festlegen
  • Moderne Zeiterfassungssysteme einsetzen, die Manipulation erschweren
  • Schulungen anbieten, die die Bedeutung korrekter Zeiterfassung vermitteln
  • Regelmäßige Audits der Zeiterfassungsdaten durchführen
  • Eine offene Unternehmenskultur fördern, in der Fehler angesprochen werden können

Die Aufzeichnungspflicht nach dem Arbeitszeiterfassungsgesetz unterstützt die Nachvollziehbarkeit. Für Unternehmen in Branchen wie Freizeit und Kultur mit Schichtbetrieb ist eine klare Zeiterfassung besonders wichtig. Mit Ordio erfüllst du die gesetzlichen Anforderungen, unterstützt die Compliance bei der Zeiterfassung und schaffst Transparenz – ohne Überwachungsdruck, aber mit klarer Dokumentation.

Fazit

Arbeitszeitbetrug ist ein ernstes Fehlverhalten mit weitreichenden Konsequenzen: Abmahnung, Kündigung oder sogar strafrechtliche Verfolgung. Entscheidend ist die vorsätzliche Täuschung – versehentliche Verstöße sind kein Betrug. Arbeitgeber müssen den Betrug nachweisen; elektronische Zeiterfassung und klare Prozesse helfen dabei. Mit Ordio dokumentierst du Arbeitszeiten und Pausen transparent – so reduzierst du das Risiko von Manipulation und stärkst das Vertrauen im Team.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir in diesem Blogbeitrag die männliche Form gewählt.