Ohne klare Planung fehlen dir im schlimmsten Fall die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit – oder du beschäftigst zu viele. Personalbedarfsplanung ist das zentrale Instrument im Personalmanagement, um den aktuellen und zukünftigen Personalbedarf quantitativ (Anzahl) und qualitativ (Qualifikationen) zu ermitteln. Sie bildet die Grundlage für Einstellungen, Weiterbildungen und die Ausrichtung der Personalpolitik.

In diesem Lexikon-Artikel erfährst du, was Personalbedarfsplanung bedeutet, welche Arten und Methoden es gibt, wie du Brutto- und Nettopersonalbedarf berechnest und welche Schritte du für eine professionelle Planung beachten solltest. Mit Ordio Schichtplan und Zeiterfassung setzt du die Ergebnisse der Bedarfsplanung in die tägliche Personaleinsatzplanung um.

Was ist Personalbedarfsplanung? Definition, Ziele und Aufgaben

Personalbedarfsplanung bezeichnet alle Tätigkeiten, die notwendig sind, um den qualitativen und quantitativen Mitarbeiterbedarf eines Unternehmens zu ermitteln. Sie ist ein Teilbereich der übergeordneten Personalplanung – neben Personalbeschaffungsplanung, Personalfreisetzungsplanung, Personaleinsatzplanung und Personalentwicklungsplanung. Das Ziel: Jederzeit das richtige Personal mit der richtigen Qualifikation bereitzustellen, um Unternehmensziele zu erreichen und Engpässe oder Überhänge zu vermeiden.

Zu den Aufgaben der Personalbedarfsplanung zählen die Analyse des Ist-Zustands (Personalbestand, Altersstruktur, Qualifikationen), die Prognose des zukünftigen Bedarfs (kurz-, mittel- und langfristig) sowie die Ableitung konkreter Maßnahmen (Einstellungen, Entlassungen, Weiterbildungen, Versetzungen). Die Ergebnisse fließen in Recruiting, Personalentwicklung und die Ausrichtung der Personalpolitik ein.

Was gehört zur Personalbedarfsplanung bzw. Personalbedarfsermittlung? Dazu zählen: die quantitative Bedarfsermittlung (Anzahl der benötigten Mitarbeiter), die qualitative Bedarfsermittlung (erforderliche Qualifikationen und Kompetenzen), die Berücksichtigung von Einsatz-, Neu-, Ersatz- und Reservebedarf, die Anwendung von Methoden (summarisch oder analytisch), die Berechnung von Brutto- und Nettopersonalbedarf sowie die Ableitung von Maßnahmen (Einstellungen, Freisetzungen, Weiterbildungen). Ohne diese Bausteine ist eine fundierte Personalplanung nicht möglich.

Quantitativer vs. qualitativer Personalbedarf

Die Personalbedarfsplanung unterscheidet zwei Dimensionen: den quantitativen und den qualitativen Bedarf. Der quantitative Bedarf beantwortet die Frage: Wie viele Mitarbeiter werden benötigt? Der qualitative Bedarf beantwortet: Welche Qualifikationen, Fähigkeiten und Kompetenzen müssen sie mitbringen? Beide Dimensionen gehören zusammen – eine reine Kopfzahlplanung ohne Berücksichtigung der Qualifikationen reicht nicht aus.

In der Praxis wird oft zuerst der quantitative Bedarf ermittelt (z.B. „wir brauchen 50 Monteure“) und anschließend der qualitative Bedarf definiert („davon 10 mit Schweißerschein, 5 mit Staplerschein“). Umgekehrt kann man auch von den anfallenden Aufgaben ausgehen: Welche Tätigkeiten müssen erledigt werden, welche Qualifikationen erfordern sie, und wie viele Vollzeitäquivalente ergeben sich daraus? Beide Wege führen zum Ziel – wichtig ist, dass quantitative und qualitative Planung abgestimmt sind.

Je nach Ergebnis der Bedarfsermittlung ergeben sich unterschiedliche Maßnahmen:

Maßnahmen bei Personalüberhang und Personalmangel
Bei zu wenigen MitarbeiternBei zu vielen Mitarbeitern
NeueinstellungenEntlassungen, Freistellungen
Interne VersetzungenSabbaticals, Altersteilzeit
Prozessoptimierung, AutomatisierungAndere Arbeitszeitmodelle (Teilzeit, Kurzarbeit)
Leiharbeit, TeilzeitkräfteInterne Versetzungen
Fokus auf KernaufgabenNeue Aufgabenverteilung

Arten des Personalbedarfs: Einsatzbedarf, Neubedarf, Ersatzbedarf

Bei der Ermittlung des Personalbedarfs werden verschiedene Bedarfsarten unterschieden:

  • Einsatzbedarf: Die Anzahl an Mitarbeitern, die benötigt wird, um die aktuell anfallenden Arbeitsmengen dauerhaft zu bewältigen.
  • Neubedarf: Zusätzlicher Bedarf, der den aktuellen Personalstand übersteigt – z.B. durch Wachstum oder neue Aufgaben. Muss durch Neueinstellungen gedeckt werden.
  • Ersatzbedarf: Bedarf, der durch Abgänge (Rente, Kündigung, Fluktuation) entsteht. Der Posten existiert bereits, es muss nur ersetzt werden.
  • Reservebedarf: Puffer für Urlaub, Krankheit, ungeplante Ausfälle. Typischerweise 5–15 % des Einsatzbedarfs.
  • Zusatzbedarf: Saisonaler oder projektbezogener Mehrbedarf – z.B. in der Gastronomie, im Einzelhandel oder bei Messen.
  • Minderbedarf: Personalüberhang, der abgebaut werden soll.

In der Praxis sind Einsatzbedarf und Reservebedarf die zentralen Größen für die laufende Planung. Neubedarf und Ersatzbedarf werden oft gemeinsam betrachtet: Wie viele Stellen müssen neu besetzt werden (Wachstum) bzw. ersetzt werden (Abgänge)? Der Zusatzbedarf spielt vor allem in saisonalen Branchen (Gastronomie, Einzelhandel, Tourismus) eine Rolle – hier werden temporäre Kräfte für Spitzenzeiten eingeplant.

Methoden der Personalbedarfsermittlung

Zur Ermittlung des Personalbedarfs stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Man unterscheidet summarische und analytische Verfahren.

Summarische Methoden

Summarische Methoden konzentrieren sich auf Kennzahlen und sind vergleichsweise einfach umzusetzen: Analogie (Vergleich mit ähnlichen Abteilungen oder Branchen), Führungsspanne (wie viele Mitarbeiter pro Vorgesetzten?), Statistik (historische Daten) und Schlüsselzahlen (z.B. Umsatz pro Mitarbeiter, Output pro Stunde). Sie eignen sich für erste grobe Schätzungen.

Analytische Methoden

Analytische Methoden basieren auf der Erfassung der tatsächlichen Arbeitsabläufe: Schätzverfahren (Einschätzung von Fach- und Führungskräften), Arbeitsplatzanalyse (Aufgaben und Anforderungen pro Stelle), Laufzettelmethode (Protokoll der Tätigkeiten) und Zeitaufnahme (Fremdbeobachtung der Bearbeitungszeiten). Sie liefern präzisere Ergebnisse, sind aber aufwendiger.

Zwei wichtige Berechnungsmethoden sind die Stellenplanmethode und die Kennzahlenmethode: Bei der Stellenplanmethode dient der aktuelle Bruttopersonalbedarf als Basis; Führungskräfte schätzen den zukünftigen Bedarf. Bei der Kennzahlenmethode wird der Bedarf aus Kennzahlen abgeleitet – z.B. Umsatz pro Mitarbeiter oder Stückzahl pro Arbeitsstunde. Das Personalcontrolling liefert die Datenbasis für solche Kennzahlen. Welche Methode geeignet ist, hängt von Branche, Unternehmensgröße und Datenverfügbarkeit ab.

Die Stellenplanmethode eignet sich besonders für kleinere Unternehmen oder Abteilungen mit überschaubarer Struktur – die Vorgesetzten kennen ihre Teams und können den Bedarf gut einschätzen. Die Kennzahlenmethode ist datengetrieben und objektiver: Wenn du z.B. weißt, dass pro 100.000 € Umsatz ein Vertriebsmitarbeiter benötigt wird, kannst du den Bedarf aus der Umsatzprognose ableiten. In der Praxis werden beide Methoden oft kombiniert: Kennzahlen als Orientierung, Stellenplan als Feinabstimmung.

Schritte zur Personalbedarfsplanung

Eine systematische Personalbedarfsplanung folgt in der Regel diesen Schritten. Wichtig: Die Reihenfolge ist nicht starr – je nach Branche und Unternehmensgröße können Schritte kombiniert oder iterativ durchlaufen werden. Typische Fehler sind: zu kurzer Planungshorizont (Abgänge werden zu spät erkannt), fehlende Reservebedarfsplanung (Urlaub und Krankheit nicht einkalkuliert) oder eine rein quantitative Planung ohne Qualifikationsprofil.

  1. Ausgangslage erfassen: Ist-Analyse – Personalbestand, Altersstruktur, Qualifikationen, Fluktuation. Welche Abgänge stehen an (Rente, Kündigungen)?
  2. Unternehmensziele definieren: Was soll erreicht werden? Welche Strategie wird verfolgt? Neue Abteilungen, Produkte, Märkte?
  3. Planungshorizont festlegen: Kurzfristig (bis 1 Jahr), mittelfristig (1–3 Jahre) oder langfristig (über 3 Jahre). Je kürzer der Horizont, desto präziser die Planung.
  4. Qualifikationen definieren: Welche Leistungen müssen erbracht werden? Welche Anforderungen und Qualifikationen ergeben sich daraus? Tätigkeits- und Qualifikationsprofile erstellen – ähnlich wie beim Arbeitsplan für die konkrete Aufgabenzuweisung.
  5. Bruttopersonalbedarf ermitteln: Einsatzbedarf + Reservebedarf (+ ggf. Zusatzbedarf). In welchen Bereichen wird wie viel Arbeitsleistung mit welcher Qualifikation benötigt?
  6. Abgänge und Zugänge berücksichtigen: Wer verlässt das Unternehmen wann? Wer wird wann neu eingestellt?
  7. Nettopersonalbedarf berechnen: Bruttobedarf − Personalbestand − Neueinstellungen + Abgänge.
  8. Maßnahmen ableiten: Wie viele Einstellungen? Wie viele Entlassungen? Welche Weiterbildungen? Welche Qualifikationen bei Neueinstellungen?

Bruttopersonalbedarf und Nettopersonalbedarf: Formeln und Berechnung

Die zentralen Kennzahlen der Personalbedarfsplanung sind der Brutto- und der Nettopersonalbedarf:

Formeln Brutto- und Nettopersonalbedarf
KennzahlFormel
BruttopersonalbedarfEinsatzbedarf + Reservebedarf (+ Zusatzbedarf)
NettopersonalbedarfBruttopersonalbedarf − Personalbestand − Neueinstellungen + Abgänge

Der Bruttopersonalbedarf gibt an, wie viele Mitarbeiter insgesamt benötigt werden – inklusive Puffer für Urlaub und Krankheit. Der Nettopersonalbedarf zeigt, wie viele zusätzlich eingestellt (positiver Wert) oder abgebaut (negativer Wert) werden müssen. Ein Beispiel: Bei einem Bruttobedarf von 100, einem Personalbestand von 85, 5 geplanten Neueinstellungen und 3 Abgängen ergibt sich: Nettobedarf = 100 − 85 − 5 + 3 = 13. Es müssen 13 weitere Mitarbeiter eingestellt werden.

Wichtig: Der Nettopersonalbedarf kann auch negativ sein – dann hast du einen Personalüberhang und musst abbauen (Freisetzungen, natürliche Fluktuation nutzen, Altersteilzeit). Die Formel berücksichtigt bereits geplante Neueinstellungen und Abgänge – so vermeidest du Doppelplanung. Führe die Berechnung regelmäßig durch (z.B. jährlich oder halbjährlich) und aktualisiere sie bei größeren strategischen Änderungen.

Beispiel: Personalbedarfsplanung in der Praxis

Eine Fertigungsabteilung benötigt 1.000 Monteure, um die Taktzeiten einzuhalten. Aktuell sind 850 Monteure beschäftigt, davon gehen 50 zeitnah in Rente oder haben gekündigt. 100 Neueinstellungen stehen bereits fest. Im Durchschnitt fehlen etwa 10 % der Belegschaft durch Krankheit und Urlaub.

Ohne Reservebedarf würde die Abteilung bei 10 % Ausfall nur 765 Monteure am Arbeitsplatz haben – zu wenig für die Taktzeiten. Der Reservebedarf von 10 % ist branchenüblich; in Bereichen mit höherer Fluktuation oder saisonalen Spitzen kann er höher liegen. Die Qualifikation „Monteur“ ist hier homogen; bei gemischten Teams müsste der qualitative Bedarf pro Qualifikation separat ermittelt werden.

Bruttopersonalbedarf: 1.000 (Einsatzbedarf) + 100 (10 % Reservebedarf) = 1.100

Nettopersonalbedarf: 1.100 − 850 − 100 + 50 = 200

Ergebnis: Es müssen 200 weitere Monteure eingestellt werden. Zusätzlich soll ein neuer Werkstoff verarbeitet werden, der eine spezielle Qualifikation erfordert. Die Personalleitung plant: 11 Mitarbeiter werden fortgebildet, 11 werden neu eingestellt. Die Fortgebildeten stehen für die regulären Tätigkeiten nicht mehr zur Verfügung – der Nettobedarf erhöht sich um 11 auf 211.

Personalbedarfsplanung und Personaleinsatzplanung

Personalbedarfsplanung und Personaleinsatzplanung ergänzen einander: Die Bedarfsplanung ermittelt, wie viele Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen benötigt werden. Die Personaleinsatzplanung legt fest, wann und wo sie eingesetzt werden – also die konkrete Schicht- und Dienstplanung. Mit Ordio Schichtplan erstellst du Dienstpläne auf Basis des ermittelten Bedarfs und behältst Urlaub, Abwesenheiten und Qualifikationen im Blick. Die Zeiterfassung liefert die Daten für Auslastungsanalysen und künftige Bedarfsplanung.

Ohne Bedarfsplanung fehlt dir die Grundlage für sinnvolle Dienstpläne – du planst im Blindflug. Ohne Personaleinsatzplanung bleiben die ermittelten Zahlen Theorie. Erst die Kombination aus beiden sorgt dafür, dass du die richtige Anzahl an Mitarbeitern zur richtigen Zeit am richtigen Ort hast. Die Personalbedarfsplanung liefert die Zielgröße; die Personaleinsatzplanung setzt sie in konkrete Schichten und Einsätze um.

Software und Tools für die Personalbedarfsplanung

Eine digitale Zeiterfassung und Schichtplanung bilden die Grundlage für datengetriebene Personalbedarfsplanung: Auslastung, Arbeitszeiten, Abwesenheiten und Qualifikationen lassen sich auswerten und in Prognosen einfließen. Mit Ordio hast du alle relevanten Daten zentral – von der digitalen Personalakte über Zeiterfassung bis zum Dienstplan. So kannst du den Personalbedarf fundiert ermitteln und die Ergebnisse direkt in die Personaleinsatzplanung überführen.

Wichtige Funktionen für die Bedarfsplanung: Auswertung von Abwesenheitsquoten (Urlaub, Krankheit), historische Auslastungsdaten, Qualifikationsübersichten und Schnittstellen zu HR-Systemen. Je besser die Datenbasis, desto präziser die Prognose. Vermeide Planung auf Basis von Schätzungen – nutze die Kennzahlen aus deiner Zeiterfassung und Schichtplanung als Grundlage.

Fazit

Personalbedarfsplanung ist das zentrale Instrument, um den qualitativen und quantitativen Personalbedarf zu ermitteln und rechtzeitig die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Sie unterscheidet Einsatzbedarf, Neubedarf, Ersatzbedarf und Reservebedarf und nutzt summarische sowie analytische Methoden. Die Arbeitsproduktivität als Kennzahl hilft dir, den tatsächlichen Bedarf zu überprüfen. Die Formeln Bruttopersonalbedarf = Einsatzbedarf + Reservebedarf und Nettopersonalbedarf = Bruttobedarf − Personalbestand − Neueinstellungen + Abgänge bilden die Basis für die Berechnung.

Mit systematischer Planung, klaren Schritten und digitaler Unterstützung durch Ordio Schichtplan und Zeiterfassung behältst du den Überblick über deinen Personalbedarf und setzt die Ergebnisse in die tägliche Personaleinsatzplanung um.

Stand der Angaben: 2026.