Lexikon

GbR: Gesellschaft bürgerlichen Rechts – Gründung & Haftung

Hady21 Min. Lesezeit
GbR: Gesellschaft bürgerlichen Rechts – Gründung & Haftung | Ordio

Häufige Fragen zu GbR

Was ist eine GbR?

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist eine Personengesellschaft nach §§ 705 ff. BGB. Mindestens zwei Gesellschafter verfolgen einen gemeinsamen Zweck — wirtschaftlich oder nichtwirtschaftlich. Es gibt kein Mindestkapital; die Gesellschafter haften typischerweise persönlich und unbeschränkt. Ein Überblick aller Rechtsformen steht im Lexikon Unternehmensformen.

Was sind die Vor- und Nachteile einer GbR?

Vorteile: schnelle, in der Regel notarfreie Gründung, kein Stammkapital, flexibler Gesellschaftsvertrag, steuerliche Transparenz (Gewinnanteile in der ESt der Gesellschafter). Nachteile: unbeschränkte persönliche Haftung, gesamtschuldnerische Inanspruchnahme, weniger Vertrauen bei Banken ohne eGbR, bei Wachstum oft späterer Wechsel in eine Kapitalgesellschaft. Ob „steuerliche Vorteile“ bestehen, ist ein Einzelvergleich — keine Pauschalaussage.

Was ist besser: UG oder GbR?

Die GbR ist schneller und günstiger, wenn du bewusst persönlich haftest und wenig Formalitäten willst. Die UG ist Kapitalgesellschaft mit Haftungsbeschränkung, Registerpflicht und Thesaurierungsregeln — sinnvoll bei höherem Risiko oder Investorenlogik. „Besser“ hängt von Haftung, Wachstum und Steuerprofil ab, nicht von einer pauschalen Rangliste.

Was ist der Unterschied zwischen GbR und GmbH?

Die GbR ist Personengesellschaft ohne Mindestkapital mit persönlicher Haftung der Gesellschafter. Die GmbH ist Kapitalgesellschaft mit Stammkapital, Handelsregister und beschränkter Haftung. Gründung der GmbH erfordert Notar; Steuern fallen auf Gesellschaftsebene (KSt) an. Vergleichstabelle und Entscheidungshilfe im Hauptartikel.

Wann wird aus einer GbR eine OHG?

Übt die GbR ein Handelsgewerbe im kaufmännischen Sinne aus, kann sie zur Offenen Handelsgesellschaft (OHG) werden — mit Handelsregistereintrag. Das ist kein Upgrade mit Haftungsbeschränkung: Gesellschafter haften weiterhin persönlich. Die Einordnung hängt von Tätigkeit und HGB-Kaufmannsbegriff ab.

Welche Steuern zahlt eine GbR?

Die GbR selbst ist keine Körperschaftsteuerpflichtige — Gewinne werden den Gesellschaftern zugerechnet und in der Einkommensteuer versteuert. Bei gewerblicher Tätigkeit kann Gewerbesteuer anfallen (Freibeträge beachten). Umsatzsteuer gilt bei entgeltlichen Leistungen, ggf. mit Kleinunternehmerregelung. Sozialversicherung bei Gesellschafter-GF und Arbeitnehmern ist einzeln zu prüfen.

Ist ein GbR-Vertrag ohne Notar gültig?

Für die klassische GbR ist ein Notar in der Regel nicht erforderlich — der Vertrag ist formfrei und ohne Notar wirksam. Ausnahmen: bestimmte Rechtsgeschäfte (z. B. mit Grundstücksbezug) oder die freiwillige eGbR-Eintragung mit Registerfolgen. Änderungen bedürfen grundsätzlich der Zustimmung aller Gesellschafter, sofern nichts anderes vereinbart ist.

Ist eine GbR haftungsbeschränkt?

Nein — eine „GbR mit beschränkter Haftung“ im umgangssprachlichen Sinn gibt es nicht. Die eGbR seit MoPeG 2024 bringt Register- und Rechtsfähigkeitsvorteile, ersetzt aber nicht die persönliche Haftung der Gesellschafter in der Personengesellschaftslogik. Wer Haftungsbeschränkung braucht, prüft typischerweise GmbH oder UG.

Kann eine GbR Mitarbeiter beschäftigen?

Ja. Die Rechtsform schließt Arbeitnehmer nicht aus. Ab dem ersten Angestellten gelten Arbeitsrecht, Lohnsteuer und Sozialversicherung — unabhängig von der Gesellschafterstellung. Du brauchst Arbeitsverträge, Entgeltabrechnung und ggf. Zeiterfassung; die GbR haftet zusätzlich persönlich für Gesellschaftsschulden.

Kann ich als Geschäftsführer einer GbR mir ein Gehalt auszahlen?

Ja, aber steuerlich und sozialversicherungsrechtlich ist das kein normales Angestelltengehalt ohne Prüfung. Oft wird zwischen Tätigkeitsvergütung, Gewinnanteil und Entnahme unterschieden. Vereinbarungen gehören in den Gesellschaftsvertrag und sollten mit dem Steuerberater abgestimmt werden, bevor du monatliche Überweisungen als „Lohn“ buchst.

Kann man eine GbR ohne Gewerbe gründen?

Ja, wenn die Gemeinschaft nicht gewerblich ist — z. B. rein freiberufliche oder nichtwirtschaftliche Zwecke. Gewerbliche Tätigkeit erfordert in der Regel Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO. Die Abgrenzung ist einfallabhängig; bei Mischformen oder Praxisgemeinschaften lohnt Beratung. Siehe auch Kleingewerbe und Nebengewerbe.

Wie gründet man eine GbR?

Du brauchst mindestens zwei Gesellschafter und einen gemeinsamen Zweck. Üblich: schriftlicher Gesellschaftsvertrag, bei gewerblicher Tätigkeit Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO, steuerliche Erfassung beim Finanzamt, Geschäftskonto und Start der Buchführung (oft EÜR). Optional: eGbR-Eintragung ins Gesellschaftsregister. Schritt-für-Schritt im Artikel unter „GbR gründen“.

Braucht eine GbR einen Gesellschaftsvertrag?

Rechtlich kann eine GbR auch stillschweigend oder mündlich entstehen — ein Gesellschaftsvertrag ist also nicht zwingend in Schriftform. Praktisch ist er dringend empfohlen: Er regelt Zweck, Einlagen, Gewinnverteilung, Geschäftsführung, Vertretung und Ausscheiden. Ohne Vertrag sind Streit und Abwicklung bei Partnerwechsel deutlich riskanter.

Wie ist die Haftung bei einer GbR?

Gesellschafter haften für Verbindlichkeiten der GbR persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch. Gläubiger können jeden Gesellschafter voll in Anspruch nehmen; intern holt der Zahlende Regress von den anderen ein. Das unterscheidet die GbR grundlegend von GmbH oder UG mit Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen.

Was ändert sich durch die eGbR seit 2024?

Seit dem MoPeG (1. 1. 2024) kann eine GbR freiwillig als eingetragenen GbR (eGbR) ins Gesellschaftsregister eintragen. Ziele: mehr Transparenz, teils Rechtsfähigkeit und Erleichterungen bei Immobilien/Beteiligungen. Die Eintragung ist optional und ersetzt nicht saubere interne Verträge. Bestehende GbRs müssen nicht automatisch ummelden.