Bewerbungen in E-Mails, Excel und Papier – wer so rekrutiert, verliert schnell den Überblick. Ein Bewerbermanagementsystem (BMS) bündelt Stellenanzeigen, Bewerberdaten und Kommunikation an einem Ort und unterstützt Personalabteilungen sowie Recruiter bei der effizienten Gewinnung von Fachkräften. In diesem Lexikon-Eintrag erfährst du, welche Funktionen ein BMS bietet, welche Vorteile es bringt und ab wann sich die Einführung lohnt. Ordio bietet kein BMS – unser Fokus liegt auf Zeiterfassung, Schichtplanung und digitaler Personalakte. Nach der Einstellung unterstützt die digitale Personalakte den nahtlosen Übergang von Bewerber- zu Mitarbeiterdaten.
Ob kleines oder großes Unternehmen: Ab einer gewissen Anzahl von Bewerbungen pro Jahr zahlt sich die zentrale Verwaltung aus. Hier erfährst du, worauf du bei der Auswahl achten solltest.
Was ist ein Bewerbermanagementsystem? Definition
Ein Bewerbermanagementsystem (BMS) ist eine IT-Lösung zur zentralen Verwaltung von Bewerbungen, Stellenanzeigen und Kandidatendaten. Es ermöglicht Arbeitgebern, Recruitern und Personalabteilungen, den Bewerbungsprozess von der Stellenausschreibung bis zur Einstellung digital und strukturiert abzubilden. Im Kern geht es darum, Bewerbungen an einem Ort zu sammeln, zu vergleichen und systematisch durch den Recruiting-Prozess zu führen – von der ersten Kontaktaufnahme über Vorstellungsgespräche bis zur Vertragsunterzeichnung.
Früher erfolgten das Sichten, Vergleichen und Beantworten von Bewerbungsunterlagen sowie die Schaltung von Stellenanzeigen weitestgehend manuell. Mit einem Bewerbermanagementsystem laufen viele Schritte automatisiert ab: Eingangsbestätigungen, Erinnerungen, Datenextraktion aus Lebensläufen. Alle Informationen liegen zentral vor – kein Suchen in E-Mail-Postfächern, keine verlorenen Unterlagen.
Was versteht man unter Bewerbungsmanagement? Der Oberbegriff umfasst alle Tätigkeiten der Personalgewinnung – Stellenausschreibung, Bewerberkommunikation, Auswahl, Vertragsabschluss. Was macht das Bewerbungsmanagement konkret? Es plant Stellenbesetzungen, veröffentlicht Anzeigen, sichtet Bewerbungen, führt Gespräche und trifft Einstellungsentscheidungen. Abzugrenzen ist das Bewerbermanagementsystem (Software) vom Bewerbermanagement (Prozess): Das BMS ist das technische Werkzeug, das diesen Prozess unterstützt. Mehr zum Prozess: Human Resources.
BMS vs ATS: Begriffe und Synonyme
Für Bewerbermanagementsysteme existieren mehrere Bezeichnungen, die im Wesentlichen dasselbe meinen:
- ATS (Applicant Tracking System) – englische Bezeichnung; „Applicant“ = Bewerber, „Tracking“ = Verfolgung/Nachverfolgung
- E-Recruiting-System – betont die digitale Abwicklung des Recruitings
- Recruiting-Software – Oberbegriff für Software zur Personalgewinnung
- Bewerberverwaltungs-Software – Fokus auf die Verwaltung von Bewerberdaten
Die Abkürzung ATS steht also für Applicant Tracking System und bezeichnet dasselbe wie ein Bewerbermanagementsystem. Eine Recruiting-Software kann ein reines ATS sein oder zusätzliche Module wie Employer Branding oder Onboarding umfassen.
Zweck eines Bewerbermanagementsystems: Für wen ist es gedacht?
Ein Bewerbermanagementsystem verfolgt zwei zentrale Ziele, die sich gegenseitig verstärken:
- Prozessoptimierung für Arbeitgeber: Recruiting-Teams erhalten Zugriff auf alle Bewerbungsdaten an einem Ort; wiederkehrende Aufgaben werden automatisiert. So gewinnen Personaler Zeit für die eigentliche Kandidatensuche und -auswahl – statt E-Mails zu sortieren und Lebensläufe manuell zu vergleichen. Die Effizienz steigt, Fehler und Verzögerungen sinken.
- Positives Bewerbungserlebnis für Kandidaten: Ein schneller, transparenter Ablauf verbessert die Candidate Experience und erhöht die Chance, passende Talente zu gewinnen. Laut Studien ist ein reibungsloser Bewerbungsprozess für viele Arbeitssuchende ein wichtiges Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Wer Kandidaten lange warten lässt oder unübersichtliche Prozesse bietet, verliert Talente an die Konkurrenz.
Zielgruppe sind vor allem mittelständische und große Unternehmen mit eigener Personalabteilung, Recruiting-Teams und HR-Verantwortliche, die regelmäßig Stellen besetzen. Auch Personaldienstleister und Zeitarbeitsfirmen nutzen BMS, um Bewerbungen für ihre Kunden zu verwalten.
Funktionen und Anforderungen eines Bewerbermanagementsystems
Was macht ein modernes Bewerbermanagementsystem? Im Kern: zentrale Speicherung von Bewerbungen, automatische Datenextraktion (CV-Parsing), Multiposting auf Jobportalen, Kandidatenpool, Analysefunktionen und DSGVO-konforme Kommunikation. Ein leistungsfähiges BMS sollte folgende Funktionen abdecken. Die Anforderungen variieren je nach Unternehmensgröße und Recruiting-Volumen – von der einfachen Bewerberverwaltung bis zur vollständigen E-Recruiting-Plattform.
Kernfunktionen
- Zentraler Speicher für Bewerbungen: Alle eingehenden Bewerbungen – auch Initiativbewerbungen – werden an einem Ort gespeichert. Mehrere Recruiter können gleichzeitig darauf zugreifen, Bewerber vergleichen und Kommentare hinterlassen. Duplikate werden erkannt, sodass dieselbe Person nicht mehrfach erfasst wird. Die zentrale Ablage verhindert, dass Unterlagen verloren gehen oder in verschiedenen Postfächern verstreut liegen.
- CV-Parsing: Automatische Extraktion von Daten aus Lebensläufen – Name, Kontakt, Qualifikationen, Berufserfahrung – reduziert manuelle Dateneingabe und erleichtert den Vergleich. Die erfassten Daten stehen strukturiert zur Verfügung und können mit Stellenanforderungen abgeglichen werden. So sparen Recruiter Zeit und können sich auf die inhaltliche Bewertung konzentrieren.
- Multiposting: Stellenanzeigen werden direkt in der Software erstellt und mit wenigen Klicks auf mehreren Jobportalen, Karriereseiten und Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Ohne BMS müsste jede Anzeige manuell bei den Portalen eingepflegt werden – Multiposting automatisiert diesen Schritt und erhöht die Reichweite.
- Automatische Stellenveröffentlichung auf der Karriereseite: Viele BMS bieten Schnittstellen zur Unternehmenswebsite. Neue Stellen erscheinen automatisch auf der Karriereseite, oft mit Filtern nach Bereich, Standort oder Art der Stelle.
Kollaboration und Kommunikation
- Nachvollziehbare Kommunikation: E-Mails, Nachrichten und Notizen zu Kandidaten sind zentral einsehbar. Alle am Prozess Beteiligten – Recruiter, Fachabteilungen, Vorgesetzte – haben Zugriff und können sich abstimmen. Keine Information geht verloren, keine Termineinladung gerät in Vergessenheit. Doppelte Kommunikation wird vermieden, weil jeder den aktuellen Stand sieht.
- Rollen und Rechte: Zugriffsrechte können je nach Rolle gesteuert werden, sodass nur berechtigte Personen sensible Bewerberdaten sehen. Externe Beteiligte (z.B. Fachvorgesetzte) können zeitlich begrenzt Zugriff auf bestimmte Bewerbungen erhalten.
Erweiterte Funktionen
- Kandidatenpool: Bewerber, die für eine Stelle nicht passen, können für spätere Besetzungen gespeichert werden. So entsteht ein Talentpool, der künftige Stellenbesetzungen beschleunigt – ohne erneute Stellenausschreibung. Besonders bei Fachkräftemangel ist ein gut gepflegter Pool wertvoll.
- Analysefunktionen: Auswertungen zu Bewerbungseingang, Time-to-Hire, Cost-to-Hire und Kanal-Performance helfen, den Recruiting-Prozess zu optimieren. Welche Jobportale liefern die besten Kandidaten? Wo stockt der Prozess? Die Daten liefern Antworten für bessere Entscheidungen.
- Individualisierbarkeit: Prozesse, Vorlagen für Stellenanzeigen und E-Mails sowie das Design der Karriereseite lassen sich an die Anforderungen des Unternehmens anpassen. Verschiedene Recruiting-Phasen können je nach Stellenart (Festanstellung, Praktikum, Werkstudent) definiert werden.
- Cloud-Software: Moderne BMS laufen in der Cloud und entlasten die eigene IT. Updates und Wartung übernimmt der Anbieter; Zugriff von überall ist möglich.
Was gehört zum Bewerbungsmanagement? Aus Sicht der Software: Vorlagen für Stellenanzeigen, E-Mail-Automatisierung, Karriereseiten-Integration und ggf. Video-Interview-Tools. Prozessseitig zählen dazu: Stellenplanung, Ausschreibung, Bewerbungseingang, Sichtung, Vorstellungsgespräche, Auswahl und Vertragsabschluss. Das BMS unterstützt die operative Abwicklung.
Vorteile eines Bewerbermanagementsystems
Die Nutzung eines Bewerbermanagementsystems bringt zahlreiche Vorteile – für die Personalabteilung, die Fachbereiche und die Kandidaten:
- Zeit- und Kostenersparnis: Automatisierung und zentrale Datenablage sparen Zeit bei administrativen Aufgaben. Eingangsbestätigungen, Erinnerungen und Status-Updates können automatisch versendet werden. Multiposting erspart das manuelle Einstellen auf vielen Portalen. Ein Kandidatenpool kann teure Stellenanzeigen für Folgebesetzungen reduzieren. Weniger manuelle Arbeit bedeutet auch: Personaler können sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren – Kandidatengespräche, Auswahl, Verhandlung.
- Transparente Entscheidungen: Alle Beteiligten sehen dieselben Bewerberdaten und können fundierte Personalentscheidungen treffen. Feedback und Eindrücke aus Vorstellungsgesprächen sind dokumentiert und für alle zugänglich. So steigt die Qualität der Einstellungen und die Nachvollziehbarkeit der Auswahl.
- Bessere Candidate Experience: Schnelles Feedback, übersichtliche Bewerbungsformulare und ein nachvollziehbarer Ablauf verbessern das Image des Unternehmens – wichtig für Employer Branding. Kandidaten, die einen professionellen Prozess erleben, empfehlen das Unternehmen weiter – auch wenn sie abgelehnt werden.
- Vergleichbarkeit der Bewerbungen: Einheitliche Strukturen und CV-Parsing ermöglichen einen neutralen Vergleich der Kandidaten. Unterschiede in Aufbau und Layout von Lebensläufen werden ausgeglichen; die Qualifikationen sind vergleichbar dargestellt.
- Geringere Abbruchquote: Ein schlanker, transparenter Bewerbungsprozess reduziert Abbrüche während der Bewerbung. Lange Formulare, unklare Rückmeldungen und Verzögerungen führen dazu, dass Kandidaten abspringen – ein BMS hilft, das zu vermeiden.
- Rechtliche Sicherheit: Moderne BMS sind auf DSGVO und AGG ausgelegt – Einwilligungen werden eingeholt, Daten fristgerecht gelöscht. So reduzierst du das Risiko von Datenschutzverstößen und Diskriminierungsvorwürfen.
- SEO für Stellenanzeigen: Einige BMS unterstützen die Suchmaschinenoptimierung von Stellenanzeigen, sodass diese in Jobportalen und Suchmaschinen besser gefunden werden.
BMS und Candidate Experience
Die Candidate Experience beschreibt das Erlebnis, das Bewerber während des gesamten Bewerbungsprozesses haben – vom ersten Kontakt bis zur Einstellung oder Absage. Ein gut strukturiertes Bewerbermanagementsystem trägt maßgeblich dazu bei: Kandidaten durchlaufen logische Schritte, erhalten zeitnah Rückmeldung und erleben einen transparenten Ablauf. Ein schlankes Bewerbungsformular, klare Kommunikation und zügige Bearbeitung reduzieren Abbrüche und verbessern die Qualität der Bewerbungen.
Das wirkt sich positiv auf die Außenwahrnehmung des Unternehmens aus – selbst bei einer Absage kann der Arbeitgeber positiv in Erinnerung bleiben. In Zeiten des Fachkräftemangels ist eine gute Candidate Experience ein Wettbewerbsvorteil: Talente wählen Arbeitgeber auch danach aus, wie professionell der Bewerbungsprozess abläuft.
Datenschutz und DSGVO im Bewerbermanagementsystem
Bewerbungen enthalten sensible personenbezogene Daten – Namen, Adressen, Qualifikationen, oft auch Gesundheitsdaten oder Angaben zur Herkunft. Ein Bewerbermanagementsystem muss daher DSGVO-konform sein und die Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit erfüllen.
Wichtige Aspekte:
- Einwilligung: Kandidaten müssen der Datenerhebung und -verarbeitung zustimmen. Die Einwilligung sollte vor der Speicherung eingeholt werden und den Zweck sowie die Speicherdauer benennen.
- Zweckgebundene Speicherung: Daten dürfen nur für den Bewerbungsprozess genutzt werden. Zugriffskontrolle stellt sicher, dass nur berechtigte Personen Zugang haben.
- Automatische Löschung: Nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens und Ablauf der Aufbewahrungsfrist (z.B. 6 Monate für mögliche AGG-Klagen) sollten Bewerberdaten automatisch gelöscht werden. Ohne Löschung drohen Datenschutzverstöße.
- AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz): Bei der Auswahl darf nicht nach Geschlecht, Herkunft, Religion, Alter oder anderen geschützten Merkmalen diskriminiert werden. Ein BMS sollte Prozesse unterstützen, die eine sachliche, dokumentierte Auswahl ermöglichen.
Unternehmen sollten prüfen, ob ihr BMS-Anbieter die Anforderungen an Datenschutz und Compliance erfüllt – insbesondere bei Cloud-Lösungen mit Verarbeitung in Rechenzentren außerhalb der EU.
Ab wann lohnt sich ein Bewerbermanagementsystem?
Die Kosten eines Bewerbermanagementsystems hängen vom Funktionsumfang, der Anzahl der Mitarbeitenden und der Zahl der parallel geschalteten Stellenanzeigen ab. Typische Preismodelle: pro Mitarbeiter, pro Stelle oder monatliche Pauschale. Es gibt auch kostenlose oder günstige Varianten mit eingeschränktem Funktionsumfang – für den Einstieg oder sehr kleine Teams.
Ein BMS lohnt sich in der Regel, wenn:
- Regelmäßig mehrere Stellen besetzt werden – z.B. ab 10–20 Bewerbungen pro Monat. Unterhalb dieser Schwelle ist der manuelle Aufwand oft noch beherrschbar.
- Mehrere Recruiter oder Personalverantwortliche am Prozess beteiligt sind. Ohne zentrale Ablage entstehen schnell Doppelarbeit, verlorene E-Mails und uneinheitliche Prozesse.
- Ein Kandidatenpool für künftige Besetzungen genutzt werden soll. Besonders bei Fachkräftemangel oder wiederkehrenden Stellen (z.B. in der Gastronomie, im Einzelhandel) zahlt sich ein Talentpool aus.
- Stellenanzeigen auf vielen Portalen geschaltet werden. Multiposting spart erheblich Zeit – ohne BMS bedeutet jede zusätzliche Plattform manuelle Arbeit.
Für sehr kleine Unternehmen mit wenigen Bewerbungen im Jahr kann ein BMS zunächst überdimensioniert sein – hier reichen oft Tabellen, E-Mail-Ordner oder einfache Tools. Mit wachsendem Recruiting-Bedarf, höherer Fluktuation oder dem Wunsch nach professionellerer Candidate Experience steigt der Nutzen eines Bewerbermanagementsystems.
BMS und Onboarding: Übergang zur digitalen Personalakte
Nach erfolgreicher Einstellung endet die Zuständigkeit des Bewerbermanagementsystems. Die Bewerberdaten müssen in die Mitarbeiterdaten überführt werden – idealerweise nahtlos. Viele BMS bieten Schnittstellen zu HR-Systemen, sodass Stammdaten automatisch übernommen werden können.
Ab dem ersten Arbeitstag übernimmt das Onboarding – die Einführung neuer Mitarbeitender. Mit einer digitalen Personalakte wie bei Ordio werden Stammdaten, Dokumente und Abwesenheiten zentral verwaltet – vom Eintritt bis zum Offboarding. Ordio hat keinen Recruiting-Bereich; unser Fokus liegt auf Zeiterfassung, Schichtplanung, Abwesenheiten und Payroll. Für Unternehmen, die bereits ein BMS nutzen, ergänzt Ordio die HR-Prozesse nach der Einstellung.
Fazit: Bewerbermanagementsystem im Überblick
Ein Bewerbermanagementsystem (BMS) bzw. Applicant Tracking System (ATS) ist eine Software zur zentralen Verwaltung von Bewerbungen und Recruiting-Prozessen. Die wichtigsten Punkte:
- Definition: Zentraler Speicher für Bewerbungen, Stellenanzeigen und Kandidatendaten
- Funktionen: CV-Parsing, Multiposting, Kandidatenpool, Analyse, DSGVO-konforme Datenspeicherung
- Vorteile: Zeit- und Kostenersparnis, transparente Entscheidungen, bessere Candidate Experience
- Kosten: Abhängig von Umfang und Nutzung; ab ~10–20 Bewerbungen/Monat und mehreren Recruitern sinnvoll
- Nach der Einstellung: Übergang zu Onboarding und digitaler Personalakte – Ordio unterstützt hier mit Zeiterfassung, Schichtplanung und Mitarbeiterverwaltung
Stand der Angaben: 2026.